Vor zwanzig Jahren und nochmals vor kurzem begann ich dem Stammbaum der Rigonis nachzugehen. Der älteste Vorfahre, den ich bis jetzt finden konnte, wurde 1750 geboren. Man stimmt allgemein überein, daß ALLE Rigonis aus der Region Asiago in Norditalien stammten.

Asiago liegt ca. 40 km nördlich von Vicenza (Karte) in der Region Veneto, in den venezianischen Voralpen. Diese Hochebene ist als Altopiano d'Asiago (Hochebene von Asiago) bekannt. Asiago ist mit ca. 6500 Einwohnern die größte einer Anzahl von kleinen Gemeinden, die sich auf dieser Hochebene befinden. Die Hochebene von Asiago ist ein sehr attraktives Skigebiet während der Wintersaison und Herkunftsort des weltberühmten Asiagokäses. Sie liegt ca. 1000 Meter über dem Meeresspiegel.

Meine Suche wurde bedeutend durch einen zufälligen Emailkontakt mit einem jungen Mann aus Asiago unterstützt. Durch seine sehr großzügige und nette Hilfe konnte ich einen zweiten Vetter ausfindig machen, dem es möglich war mich mit der Familiengeschichte drei Generationen vor meinem Großvater zu versorgen. Es gibt auch ein historisches Archiv in Asiago. Ich weiß aber noch nichts über seine Zugänglichkeit.

Es gibt ziemlich viele Rigonis in diesem Gebiet. Einer meiner Emailinformanten aus Asiago nimmt tatsächlich an, daß nahezu die Hälfte der Bevölkerung den Namen Rigoni besitzt. Jede "Familie" hat einen zweiten, zusätzlichen Beinamen, der der Identifizierung dient und unverzichtbar bei Suchaktionen ist. Man sollte ebenfalls Namensänderungen besonders bei der Immigration in die USA und andere Länder in Betracht ziehen. Die Namen, die in amerikanischen Aufzeichnungen gefunden werden, korrespondieren nicht immer mit den italienischen. Der Vorname meines Großvaters z.B. erscheint in den meisten Aufzeichnungen in den USA als Giovanni (und als Johannes in einer Heiratsurkunde), während in den italienischen Giobatta (Abk. von Giovanni Battista – Anm. d. Üs.) zu finden ist. Viele Namen wurden auf Ellis Island unkorrekt verzeichnet. Natürlich wählten auch viele Immigranten die Möglichkeit ihren Namen amerikanisieren zu lassen.

Unser zusätzlicher Familienname lautet Guardalto, im Englischen etwa "look high". 1 bis 2 Kilometer nördlich von Asiago liegt ein Gebiet mit 5 oder 6 Häusern, das Guardinaleti genannt wird; dort lebten höchstwahrscheinlich meine Vorfahren. Man weiß auch, daß in der alten zimbrischen Sprache, die in diesem Gebiet gesprochen wurde/wird, unser Name Bacchel lautete, was als "keeper" (dt. "Wächter"?) zu übersetzen ist.

Rigoni ist der weitverbreitetste Name in Asiago. Man nimmt auch an, daß Rigoni von den germanischen Namen "Rich" oder "Rico" abgeleitet ist, die im venetischen Dialekt zu "Rig" oder "Rigo" wurde. Diese wären Abkürzungen germanischer Namen wie Olderico, Teodorico, Federico, Henrico, etc. Die Namen Rico, Ricus usw. erschienen häufig in Dokumenten um circa 1300. Etymologische Wörterbücher attestieren italienischen Wörtern wie "riga", "rigo" oder "ricco" germanischen Ursprung.

Der nördliche Teil des Veneto und angrenzende Regionen, hauptsächlich die Bergregion, sind bekannt als das Land der "Zimbern", einem sehr alten germanischen Stamm Europas. Die zimbrische Sprache wird noch von wenigen Sprechern in begrenzten Gebieten benutzt. Einige zimbrische Wörter findet man in den lokalen italienischen Dialekten. Einer Quelle gibt es noch ca. 2000 Muttersprachler in drei verschiedenen Dialektgebieten --- Das Zimbrisch von Lusern (Luserna)in den Bergen südöstlich von Trient, Taux, das Zimbrische von Ljetzan (Giazza) nordöstlich von Verona und das Zimbrische (Common Cimbrian) der Hochebene von Schlege (Asiago) in den Dörfern von Robaan (Roana) und Rotz (Rotzo). Mein Großvater Giovanni soll als Muttersprache Zimbrisch gesprochen haben.

Es gibt zumindestens zwei Theorien, die versuchen die Besiedlung der Region durch die Zimbern zu erklären. Die Zimbern (Kimbern! Anm. d. Üs.) lebten mindestens seit 200 v.Chr. in dem nördlichen Gebiet von Jütland/Dänemark. In Aalborg und der angrenzenden Region finden sich Beweise und Artefakte, die diese Tatsache unterstützen. Der römische Historiker Plinus der Ältere verweist ebenfalls auf dieses Gebiet als Land der Zimbern (Kimbern! Anm. d. Üs.). Der Historiker Tacitus erwähnt ebenfalls ein Volk, das den Namen Zimbern (Kimbern! Anm. d. Üs.) trägt, das Botschafter zum römischen Kaiser Augustus sandte. Wahrscheinlich folglich klimatischer Veränderungen und großen Überflutungen emigrierte der Stamm zusammen mit Nachbarstämmen der Teutonen etwa um 130 v. Chr. In den Süden Europas. Diversen Hinweisen zufolge wanderten sie durch Böhmen und den nördlichen Teil des jetzigen Jugoslawiens, wandten sich dann westwärts und erreichten den Osten Frankreichs, indem sie Österreich und Bayern durchquerten. Diese Reiseroute korrespondiert mit den Flußtälern der Elbe, Danube (Donau?) und Rhone. Sie vernichteten römische Armeen in Kämpfen bei Noreia (in der Nähe der jetzigen Stadt Ljubljana) und bei Orange im Rhonedelta. 101 v.Chr. wurden die Zimbern (Kimbern! Anm. d. Üs.) durch den römischen General Gaius Marius im Podelta von Norditalien vernichtend geschlagen, vielleicht nahe der heutigen Stadt Vercelli. Die wenigen Überlebenden sollen in den Bergen und auf den Hochebenen von Norditalien Zuflucht gesucht haben. Das steht jedoch im Widerspruch zu den Zeugnissen der römischen Geschichtsschreiber, die berichten, daß die Frauen nach dieser totalen Niederlage sich und ihre Kinder töteten.

Andere Evidenz durch alte Dokumente unterstützen die Theorie, daß das Gebiet durch Nachkommen der Zimbern besiedelt wurde, die in großen Schüben aus Gebieten um Bayern im 11./12. Jh. Nach Süden zogen (Original: "settled by Cimbri descendants" – es wird normalerweise in der Version der Baierntheorie davon ausgegangen, daß die Zimbern keine Nachkommen der Kimbern, d.h. Niederdeutsche, sondern Altbaiern, d.h. Oberdeutsche, waren – Anm. d. Üs.). Ein Hinweis ist ein Dokument, das zeigt, daß im Jahre 1287 der Prinzbischof von Verona (normalerweise Trient – Anm. d. Üs.), Federico Vanga (Friedrich von Wangen) bairischen Siedlern das Recht gewährte im Territorium der Lessinischen Berge zu siedeln. Diese Leute wurden "Tzimberer" genannt, von dem it. "Cimbri" (Zimbern) abgeleitet sein soll.

Einer anderen Theorie zufolge könnten die Cimbri (Zimbern) das Gebiet über den Brenner Pass während ihrer nomadischen Wanderungen in der vorchristlichen Zeit erreicht haben. Vielleicht hat jede dieser Theorien ihre Legitimation.

Irgendwann während des 12. und 13. Jahrhunderts wandelten sich die verschiedenen Siedlungen in den venetischen Bergen zu autonom regierten, politischen Bünden. Diese waren die 13 Gemeinden in den Bergen nördlich von Verona und die 7 Gemeinden auf der Hochebene von Asiago. Beide Gruppen bildeten lose Allianzen mit dem Stadtstaat von Venedig aus Gründen des Handels. Die Vereinigung der 7 Gemeinden wurde zwischen 1270 und 1339 vollendet, die Urkunde dieser Vereinigung wurde jedoch um 1500 durch Brandstiftung vernichtet. Der Bund hielt bis zur Invasion der napoleonischen Truppen um 1807. Das Territorium unterstand dann Österreich 1815 bis 1866 und wurde durch internationale Vereinbarungen 1866 Teil Italiens.

Einige Museen wurden gegründet, um Dokumente und Artefakte der zimbrischen Kultur und Sprache zu sammeln und zu bewahren. Eins befindet sich in Robaan (Roana) und ein anderes in Ljetzan (Giazza) und es mag noch andere geben, die mir aber nicht bekannt sind (klar, z.B. das 'Dokumentationszentrum' in Lusern! – der Webmaster). Die Sprache stirbt langsam aus. Neben natürlichen Ursachen sind es politische wie die Anstrengungen von Mussolini, alle gesprochenen Dialekte zu verbieten. Dennoch werden die Zimbern nicht als "Minderheiten" durch die italienische Regierung anerkannt, sondern nur durch die EU. Die rechtskonservative politische Partei Norditaliens, bekannt als "Lega Nord", begleitet aus wahltaktischen Erwägungen die Anstrengungen die alten Dialekte und Kulturen zu erhalten. Ein Mitglied der "Lega Nord" sponsorte jüngst einen kostenlosen zimbrischen Sprachkurs, der vom Zimbrischen Kulturinstitut ('Istituto di Cultura Cimbra') in Robaan (Roana) abgehalten wurde und es gibt sogar den Vorschlag, Schulklassen in dieser Region in Zimbrisch zu unterrichten.

Die Seltenheit schriftlicher Aufzeichnungen verursacht "informierte Vermutungen". [...]

 

Kenneth A. Rigoni
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1 April 1998            English Version             Versione Italiano